
Das Myzelium, ein meist unsichtbares Geflecht in Boden oder Holz, das jedoch von Zeit zu Zeit, unter den richtigen Umständen, Fruchtkörper zutage treten lässt, die wir „Pilze“ nennen. Letzte Woche waren wir auf einer Tagung für anarchistische Studien in Leipzig, die sich nach eben diesem Geflecht benannt hatte: Myzelium. Denn nicht nur in diesem Aspekt ähnelt es der Anarchie; Myzele können sich mit weiteren Organismen verbinden, um Nährstoffe oder Informationen auszutauschen, ermöglichen aber auch weitergehende Verbindungen, beispielsweise zwischen verschiedenen Bäumen.
Den sonnigen Nachmittag vor den ersten Abendvorträgen verbrachten wir in den Auenwäldern zwischen Elster und Pleiße, die bis in die Innenstadt Leipzigs reichen. Dort begrüßten uns diverse Frühlingsblumen, wie Himmelsschlüsselchen und Lerchensporn, sowie riesige Bärlauch-Felder.



Wir teilten uns eine Session mit den lieben Menschen von Anarchäologie für eine gemeinsame Gesprächsrunde über die Verbindung von Anarchie und Archäologie. Worum es inhaltlich genau ging, könnt ihr demnächst in einem Beitrag von @anarchaeologie nachlesen. Oder ihr hört euch den Audio-Mitschnitt an, der über die Tagung veröffentlich werden wird. An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an die Orga! ☺️🖤
Die Tagung bot eine tolle Gelegenheit, Menschen mit ähnlichen Einstellungen kennenzulernen und (unverhofft) andere Menschen wiederzutreffen und besser kennen lernen zu dürfen. Wir hatten sowohl in Diskussionsrunden und Workshops, als auch in den Pausen viele nette und inspirierende Gespräche. Neue Verbindungen wurden geknüpft und bestehende gestärkt. Das ehrliche Feedback von anderen bekräftigte uns auch in der eigenen Positionierung.



Was uns außerdem auffiel: der Kontrast zwischen dieser Tagung und Veranstaltungen, wie sie üblicherweise im akademischen Umfeld stattfinden. Der Austausch zwischen Vortragenden und Zuhörenden fand auf Augenhöhe statt. Akademische Abschlüsse und die Kenntnis von spezieller Fachsprache entschieden nicht darüber, wem mehr Gehör geschenkt wurde.
Es gab einen respektvollen Austausch darüber, was bei dieser ersten Myzelium-Tagung vielleicht nicht so gut lief oder hätte anders organisiert werden können.
Schwierigkeiten bereiteten nicht zuletzt die Räumlichkeiten der Universität, die gerade durch die bewusst-antiautoritäre Nutzung umso autoritärer wahrgenommen werden und deren hierarchisierende Wirkung schwer zu brechen ist.
Gleichzeitig fiel auf, wie schwer es tatsächlich ist, die gebauten Hierarchien, welche die Universitätsräume verkörpern, zu brechen sind. Ein standardisierter Hörsaal wird nie von allen Menschen gleichberechtigt genutzt werden können. Insbesondere in den Workshops und Vernetzungen erinnerten wir einander daran, dass wir Menschen mit individuellen Körpern und Gefühlen sind. Bedürfnisse, die von der modernen Wissenschaftsmaschine nicht respektiert werden können. Myzele gedeihen nur dort, wo die Bedingungen für sie genau passen. Einige Arten sind dabei flexibler als andere.
Insgesamt konnte die Tagung einen Eindruck davon vermitteln, wie Wissen(schaft) in gleichberechtigten Räumen sein kann. 🍄







